Liniensteuerung: Die Liniengeschwindigkeit

15. August 2011 | Von | Kategorie: Standards

Im Prinzip ist es ganz einfach die Standard-Bandgeschwindigkeit einer Sortierliniensteuerung berechnet sich aus der Stückzahl der Artikel pro Minute, deren Durchmesser und einer zu definierenden idealen Lücke zwischen den Artikeln. Damit sind auch, je nach Größe der definierten Lücken, Reserven vorhanden, wenn mal ein Stau aufgearbeitet werden muss.

Standardformel für die Berechnung der Liniengeschwindigkeit in m/min:

Liniengeschwindigkeit = (Artikeldurchmesser + Lücke) x Anzahl der Artikel pro Minute / 1000
(Maßeinheit für Durchmesser und Lücke sind mm)

Nun ist man in der Glasindustrie bemüht, die Bandgeschwindigkeit möglichst niedrig zu halten, um einen optimalen und störungsfreien Ablauf zu erhalten. Wenn man also eine Lücke von 100% des Artikeldurchmessers wählt, sind die Transportbänder zwar ausreichend schnell, aber möglicherweise zu schnell für eine störungsfreien Ablauf, vor allem wenn die Linie mal vorübergehend nicht voll ausgelastet ist. Hier bietet die automatische Geschwindigkeitssteuerung eine neue Möglichkeit, die Bandgeschwindigkeit immer optimal zu halten. Hierzu müssen an der Linie mehrere Zähl-Lichtschranken angebracht werden, sinnvollerweise nach jeder Prüfmaschine, Weiche oder Zusammenführung. Diese Zähl-Lichtschranken können zweifach genutzt werden, einmal für statistische Auswertungen und für die Optimierung der Bandgeschwindigkeit des nachfolgenden Abschnitts.

Für die Regelung der Geschwindigkeit von Transportbändern in Sortierliniensteuerungen habe ich einen neuen STEP-7-Funktionsbaustein geschrieben, mit dem sich die Programmierung standardisieren lässt.

Der Baustein (FB22) benötigt folgende Eingangsinformationen:
– Liniengeschwindigkeit (Standardberechnung in m/min)
– Artikeldurchmesser (in mm)
– Lücke (in % vom Artikeldurchesser)
– Impuls der Zähllichtschranke (Auswertung ansteigende Flanken)

Einstellungen in den Statischen Variablen:
– GMIN_1 – Minimale Liniengeschwindigkeit, absolute Untergrenze  (mm/min)
– GRBMIN – Regelgrenze Minimum  (% der Liniengeschwindigkeit)
– GRBMAX – Regelgrenze Maximum (% der Liniengeschwindigkeit)

Als Alternative zu den prozentualen Regelgrenzen können auch absolute Werte (GMIN_2 und GMAX) vorgegeben werden. Diese Variablen werden normaleweise (Variable FGRB_1 = ein) aus den Prozentwerten errechnet. Wird die Variable FGRB_1 ausgeschaltet findet die Berechnung nicht statt.

Als einzigen Ausgabewert gibt es einen Geschwindigkeitswert in mm/min (Darstellung am OP mit 3 Nachkommastellen als m/min)

Damit das System nicht zu nervös oder zu träge reagiert, können verschiedene Zeitbereiche für die Erfassung der Artikel pro Minute festgelegt werden. Es stehen die Bereiche 6, 12, 30 und 60 Sekunden zur Verfügung.

Der geschützte Funktionsbaustein ist per Simulation auf einer Steuerung getestet. Voraussetzung für den Einsatz ist, dass der Merker M 0.5 ein Taktsignal von 1 Hz vorgibt (Vorgabe von Taktmerkerbyte MB0 in der Hardware-Konfiguration). Alle übrigen Variablen werden im Instanzdatenbaustein abgebildet. Der Baustein kann im Programm mit unterschiedlichen Instanzdatenbausteinen beliebig oft eingesetzt werden.

 


Georg Dahlhoff
Automatisierungstechniker

Am Sportfeld 29
D-55278 Mommenheim / Rheinhessen

Kontakt: kontaktaufnahme.7E0@dahlhoff.com

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