Handbedienung? Weg mit den vielen Tastern!

12. August 2011 | Von | Kategorie: Automatisierungstricks

Eigentlich sollen unsere Maschinen ja automatisch arbeiten, und nicht von Hand gesteuert. Aber gelegentlich muss doch mal von Hand gefahren werden, z.B. bei Auftreten einer Störung , bei der Wartung oder beim Einrichten auf ein anderes Produkt. Und wenn nun eine Maschine viele große und kleine Antriebe hat, dann können das auf einem Bedienpult schon recht viele Taster werden, denn schließlich nutzt eine Handbedienung nur dann etwas, wenn man auch jede noch so kleine Bewegung manuell auslösen kann. Meistens werden es dann viel zu viele Taster, wenn man bedenkt, dass der Handbetrieb ja nur eine Ausnahme-Betriebsart ist.

Hier gilt es nun Abhilfe zu schaffen, damit die Bedienung der Maschine übersichtlich bleibt. Mit ein paar wenigen Anweisungen ist es möglich eine beliebige Anzahl von Antrieben mit 2 Tastern zu fahren: „Funktion A“ (auf-vor-links-öffnen-greifen) und „Funktion B“ (ab-zurück-rechts-schließen-loslassen). Dazu kommt noch eine Anwahlmöglichkeit, z.B. über zwei weitere Taster, die einen Zähler mit Display ansteuern. Die eleganteste Lösung ist aber eine Anwahl auf einem Touchpanel, aber auch ein Daumenradschalter wäre denkbar. Nun braucht es in der Simatic S7 nur noch ein paar kleine Programmierschritte und die Handbedienung ist perfekt. Anstelle von Eingangsadressen sind es nun Merker; für 200 Handfunktionen (100 Antriebe) werden genau 25 Bytes benötigt. In dem Beispiel habe ich die Merkeradresse 128.0 als Anfangsadresse für 100 mögliche Antriebe gewählt; die Anwahl ist im Integer-Format hinterlegt.

Netzwerk 1: Handfunktionsmerker löschen

L     DW#16#0
T     MD128    //Handfunktionen 0…15
T     MD132    //Handfunktionen 16…31
T     MD136    //Handfunktionen 32…47
T     MD140    //Handfunktionen 48…63
T     MD144    //Handfunktionen 64…79
T     MD148    //Handfunktionen 80…95
T     MB152   //Handfunktionen 96…99

Netzwerk 2: Handfunktion einschalten

L     „Anwahl“    //Anwahl im Integer-Format; Wert: 0..99
L     2
*I    
L     P#128.0    //Anfangsadresse M 128.0
+I    
LAR1 
U     „Eingang_Funktion_A“
S     M [AR1,P#0.0]
U     „Eingang_Funktion_B“                    
S     M [AR1,P#0.1]

Damit ich nur die Einschaltung des Merkers steuern muss, und die Funktion bei Loslassen der Taste sofort wieder ‚aus‘ ist, werden die Merkerbytes des Handfunktionsbereiches zuvor auf Null gesetzt. Dadurch ist auch das Arbeiten mit mehreren Bedienstellen möglich, ohne für jede Bedienstelle einen zusätzlichen Merkerbereich zu reservieren.

Nun müssen die Merker in der Variablentabelle noch zugeordnet werden:
Handfunktion 0A = M 128.0,
Handfunktion 0B = M 128.1,
Handfunktion 1A = M 128.2,
Handfunktion 1B = M 128.3,
usw.

Wenn mehrere Bedienstellen vorhanden sind, die auch zeitgleich bedient werden können, ist ‚Netzwerk 2‘ entsprechend oft zu wiederholen, nur die Adressen für die Anwahl und die beiden Funktionstaster müssen für jede Bedienstelle neu zugeordenet werden.

So einfach bekommt man die vielen Taster weg! 😉

Georg Dahlhoff
Automatisierungstechniker

http://www.dahlhoff-automation.de


Georg Dahlhoff
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Am Sportfeld 29
D-55278 Mommenheim / Rheinhessen

Kontakt: kontaktaufnahme.7E0@dahlhoff.com

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5 Kommentare auf "Handbedienung? Weg mit den vielen Tastern!"

  1. […] Ein weiteres Beispiel für indirekte Adressierung finden Sie in diesem Artikel: http://dahlhoff-automation.de/wp/?p=30 […]

  2. Kann man ausprobieren

    • Georg Dahlhoff sagt:

      Das hat sich bei Palettieranlagen in der Hohlglasindustrie seit über 25 Jahren bestens bewährt.

  3. Serpi sagt:

    Hallo ,
    sollte man nicht im Netzwerk 2 nach der Zeile 3 den Integerwert
    mit SLD 3 schieben und dann erst mit P# addieren.
    Gruß
    Paul

    • Georg Dahlhoff sagt:

      Kann man machen, muss man aber nicht. Es funktioniert so völlig problemlos.